Von Selma Green | “Wandern und Outdoor-Aktivitäten werden als eine weiße, männliche und bürgerliche Domäne wahrgenommen, die für viele Menschen weder zugänglich noch einladend ist. Das muss sich ändern, denn die Natur gehört niemandem.”, postete The North Face, eine auf Outdoor-Kleidung spezialisierte Marke, am 9. Oktober auf Instagram. Ich denke beim Thema wandern ja eher an das Bild eines älteren Pärchens, das seine Leidenschaft fürs Nordic Walking entdeckt oder eines Familienvaters, der seine Söhne mit Campen und Angeln vertraut machen will. Ich denke dabei nicht sofort an weiße Männer.

Ich bin dunkelhäutig und ein Mädchen – Wandern an sich finde ich öde, daran ändert auch eine Nicht-weiß-und-männlich-Quote nichts oder was sich The North Face ausdenken will.

Gut, ich kann verstehen, dass The North Face seine Zielgruppe erweitern möchte. Ich meine: ein weiterer Bereich, in dem man auf weißen Männern rumhacken kann, bringt bestimmt ein paar Leute aus der Woke Szene mit ins Boot. Rassismus gebe es nicht gegen Weiße, so liest man neuerdings überall. Aber warum muss alles auf das Geschlecht und die Hautfarbe reduziert werden? Nennt man sowas nicht Sexismus und Rassismus? Ich bin dunkelhäutig und ein Mädchen – Wandern an sich finde ich öde, daran ändert auch eine Nicht-weiß-und-männlich-Quote nichts oder was sich The North Face ausdenken will.

Meine Abneigung gegen das Wandern rührt von einer Klassenfahrt in der achten Klasse her. Das Programm für jeden der fünf Tage lautete: sechs Stunden wandern. Nach sechs Stunden einen Berg hoch, runter und drumherum stiefeln, spürte ich meine Beine nicht mehr. “So muss sich ein Querschnittsgelähmter fühlen.”, dachte ich damals. Beim Wandern kamen die Jungs in meiner Klasse auf Ideen, wie meine Haare mit Tannenzapfen zu kämmen, mir Beine zu stellen und mir mit Stöcken in den Rücken zu pieksen. Meine Kleidung war nicht für’s Wandern geeignet, denn die Lehrerin hatte irgendwas von wegen “Baden im See” angekündigt. Es wurde kälter als angenommen. Also stapfte ich bei acht Grad, zitternd mit Schnupfen durch Dreck und Blätter. Öfter wurde ich von Spinnweben im Gesicht oder Fliegen in meinem Mund überrascht. Ich merkte, wie blödsinnig ich Wandern finde.

Wandern schreckt mich keinesfalls wegen weißer Männer ab. Sondern einfach nur, weil ich es bescheuert finde. Wenn mich auf der Klassenfahrt nicht meine nervigen Klassenkameraden, sondern schwarze Powerfrauen begleitet hätten, wäre mir trotzdem auf halber Strecke sterbenslangweilig geworden. Das Zitat hat nur zum Ziel, weiße Männer runterzumachen. Auch wenn ich nicht verstehe, warum man sich so etwas antun würde. Aber: Jeder, der Lust hat, kann doch wandern gehen – oder etwa nicht?